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Begegnung mit der Autorin Sonia Ristić

Wie kommen Schüler der 12. Klasse dazu, sich in französischer Sprache über die Geschichte und politische Situation der 90er-Jahre in Jugoslawien zu unterhalten?

Die Regisseurin und Autorin Sonia Ristić war am Dienstag, den 17. November 2009, zu Gast in der Aula des Marianums, um sich mit uns Schülern des Französisch-Leistungskurses der Fuldaleiste (Marianum, Marienschule und Domgymnasium) und der Winfriedschule sowie den beiden Grundkursen des Marianums über ihr Buch „Orages“ und eben dieses Thema auszutauschen. Wir konnten das Buch bei der Teilnahme am „Prix des Lycéens Allemands“ kennenlernen.

In „Orages“ (=„Gewitter“) geht es um dieses schwierige Thema, das mittlerweile vielleicht weit weg und lange her erscheint, und trotzdem tief berührt, aber um noch viel mehr als das. Sonia Ristić schreibt in ihrer poetischen Sprache von der Suche nach seinem Platz in der Welt, von Kriminalität und Krankheit, Trennung und Tod, über Familie, Rollen und Erwachsenwerden, und nicht zuletzt über die alles verbindende Liebe.

Am Dienstagmorgen hatte eigentlich niemand von uns geglaubt, dass unser Treffen mit Madame Ristić so wunderbar verlaufen würde. Unsere Anspannung legte sich aber fast völlig, als die Autorin den Raum betrat. Eigentlich ist sie eher klein und unscheinbar gekleidet, aber sie besitzt eine riesige Ausstrahlung und ein bezauberndes Lächeln, das sogleich eine warme Atmosphäre ausströmt.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Schöppner und verschiedenen Kurzpräsentationen zur Einstimmung auf das Buch und seine breit gefächerte Thematik blieb noch genug Zeit zur Diskussion und Fragerunde. Schnell entwickelte sich ein angenehmes Gespräch von Fragen zu ihrer eigenen Person bis hinzu Interpretationsansätzen ihres Buches. Das Buch enthält durchaus autobiographische Elemente. Wie auch die Hauptfigur ist Sonia Ristić zum Beispiel in Belgrade geboren und lebt jetzt in Paris. Eigentlich steckt aber in jeder ihrer Figuren ein Stückchen von ihr selbst und sie weiß nicht, wer wen kopiert. Und trotzdem, sie kann nicht alles erklären, was ihre Figuren, die für sie wie eigene Kinder sind, im Buch machen und warum sie so handeln, wie sie es eben tun. Im richtigen Leben hat sie übrigens keine eigenen Kinder und ist auch nur „manchmal verheiratet“, wie sie schmunzelnd erklärt.

Sonia Ristić bezeichnet sich selbst als „Weltenbürgerin“. Sie schreibt ihre Bücher nicht für ein bestimmtes Publikum, sondern für alle, die in ein Buch, eine eigene Welt, eintreten und eine Reise mit ihr unternehmen wollen. Dabei will sie keine Moralpredigt halten, denn das macht ihr selbst Angst. Sie will in ihren Büchern keine beispielhaften Lebensstile präsentieren, denen man folgen sollte, sie will das Leben zeigen. Denn das Leben ist es, was oft für sie entschieden hat, nicht sie selbst.

Text: Martina Dietz, Marienschule, Fotos: Jürgen Weber

Nach 90 Minuten sind längst nicht alle Fragen beantwortet, und manche werden vielleicht auch für immer ungeklärt bleiben. Warum zum Beispiel die Magie der Liebe es schafft, dass eins plus eins trotzdem eins ergibt... Doch das ist kein Problem für Sonia Ristić. Es scheint, als sei sie mit uns auf dem Weg, auf der Suche nach Antworten. Dieser Weg endete am Dienstag an einem kleinen Buffet, an dem wir voneinander Abschied nahmen.

Wir danken allen, die diese Veranstaltung ermöglicht und ihren kleinen und großen Beitrag zum Gelingen gegeben haben.



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