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"Ich sehe immer den Menschen vor mir" - Autorenlesung von Hermann Vinke

Fotos: Jürgen Weber

Einer Privatinitiative ist es zu verdanken, dass der bekannte Journalist und Buchautor Hermann Vinke am Fuldaer Marianum zu einer Autorenlesung gekommen war.

 

Vinke, der im Jahre 1940 in Rhede/Emsland geboren ist, las vor Schülern der Jahrgangstufe zehn und dreizehn aus seinem neuesten Werk "Ich sehe immer den Menschen vor mir", einer Biographie über das Leben des deutschen Wehrmachtoffiziers Wilm Hosenfeld, der 1895 in Mackenzell zur Welt kam.


Vinke, der 1981 für sein Werk "Das kurze Leben der Sophie Scholl" mit dem Deutschen Jugendsachbuchpreis ausgezeichnet wurde und neben seiner Tätigkeit als Buchautor für viele Jahrzehnte als Zeitungs - und Hörfunkjournalist weltweit tätig war, wurde in der Aula des Marianums von Realschulleiter Stefan Zeier begrüßt. Er betonte in seiner kurzen Ansprache, dass die Auseinandersetzung mit den Geschehnissen im 3. Reich ein wichtiger Bestandteil des Lehrplanes in der Jahrgangstufe Zehn sei.


Oberstufenschülerin Fabiola Kaminski, über deren Familie der Kontakt zu Vinke entstanden war, begrüßte den 76-jährigen Autor herzlich und befragte ihn sogleich nach seinem Motiv, Bücher, die die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland als Grundlage haben, für Jugendliche zu schreiben. Vinke begründetet seine Arbeit damit, dass junge Menschen noch offener sein als Erwachsene und somit doch viel zugänglicher wären. Ohnehin wären es drei Themen, mit denen sich die Jugend der Welt in der Zukunkt beschäftigen müssten: Krieg und Frieden, Zerstörung der Umwelt und die Ungleichheit der Weltbevölkerung. Im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen in den USA warnte der langjährige ARD-Auslandskorrespondent eindringlich vor einer Wahl des Kandidaten Donald Trump, da er befürchte, dass der Republikaner die Welt in einen neuen Krieg führen könnte.

"Der Mann, der den Pianist rettete", so sollte eigentlich Vinkes neuestes Buch heißen, denn der Mackenzeller Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld, der zunächst überzeugter Nationalsozialist gewesen war, sich später jedoch von den Nazis abwandte, rettete während der Nazidiktatur 60 Menschen das Leben. Einer, der ihm sein Leben verdankte, war der polnische Pianist Wladyslaw Szpilman, dessen Lebensgeschichte im Roman "Der Pianist" erzählt wird, für Vinke der Grund für die ursprüngliche Titelwahl. Dass die Biograhie des Wilm Hosenfeld heute unter dem Titel "Ich sehe immer den Menschen vor mir" erschienen ist, macht den Bremer jedoch sehr glücklich, ginge es doch auch darum, gerade im Bezug auf die vielen Flüchtlingskatastrophen unserer Zeit, den Menschen als solchen in den Vordergrund zu stellen.

 

Am Ende der Lesung konnten die gespannt zuhörenden Schüler ein handsigniertes Buch aus den Händen des Autors erwerben.

 

Text: Ulrich Kleemann



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