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Ist der Barmherzige immer der Dumme?

Fotos: Christian Heil

Auf Einladung des Religionsleistungskurses der Jgst. 13 des Marianums stand Schwester Maria von den barmherzigen Schwestern des Hl. Vinzenz von Paul den Schülerinnen und Schülern der Jgst. 13 Rede und Antwort zum Thema Barmherzigkeit. Anlass für dieses Gespräch am 18.11. war das zu Ende gehende außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit.


Bevor Schwester Maria auf das Thema Barmherzigkeit eingeht, berichtet sie von ihrem Weg, der sie zu den barmherzigen Schwestern geführt habe.


Schwester Maria macht klar, was für sie Barmherzigkeit bedeute, nämlich den Anderen so anzunehmen, wie er sei, ob nun bei ihrem Dienst am Krankenbett oder draußen im Alltag. Mütterlichkeit sei vielleicht ein angemessenes Synonym für das, was Barmherzigkeit meine. Neben dem Herzen sei das Bauchgefühl ganz entscheidend, sich anrühren zu lassen, um dann aus Zuneigung und tiefem Verständnis das Richtige zu tun. Wie stark würden sich doch eine Mutter oder ein Vater für das eigene Kind einsetzen, wenn Gefahr drohe. Natürlich koste Hingabe dieser Art viel Kraft. Quelle , um die eigenen Batterien wieder aufzuladen, sei für sie in erster Linie das Gebet, vor allem das frei formulierte. Den Schülerinnen und Schülern macht Schwester Maria deutlich, dass sie sich von Gott in jeder Situation geliebt und getragen wisse. Sie weine vor Gott und sei auch manchmal zornig. Aus den so ausgetragenen Kämpfen entstehe viel Freude. In der Gewissheit, dass uns Gott nie fallen lasse, könne sie jede Herausforderung annehmen.


Der Frage einer Schülerin, ob der Barmherzige nicht auch Gefahr laufe, ausgenutzt zu werden, stimmt Schwester Maria zu. Natürlich bestehe diese Gefahr. Selbstverständlich kämen solche Situationen auch immer wieder vor. Mit Blick auf das Kreuz seien solche Enttäuschungen etwas leichter zu ertragen. Jesus, der sich immer von menschlichem Leid und Bedürftigkeit habe anrühren lassen, sei nach menschenverachtenden Demütigungen und brutalsten Folterungen am Kreuz hingerichtet worden. Jesus habe das ausgehalten. Es sei durchaus möglich, in der Welt als Versager da zu stehen, ohne im Innern ein Verlierer zu sein. Der Christ dürfe auch über den Tod hinaus auf die Liebe und Gerechtigkeit Gottes hoffen.

Dass es uns Menschen trotz des herausragenden Vorbildes Jesu schwer falle, Enttäuschungen dieser Art zu ertragen, macht Schwester Maria deutlich, indem sie einen tief gehegten Wunsch verrät. Ein Traum von ihr sei es, in solchen Momenten Schlagzeug spielen zu können, um sich den Frust von der Seele zu trommeln. Vielleicht lerne sie das noch einmal, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Während der Gesprächsrunde mit den Schülerinnen und den Schülern greift Schwester Maria einige Male zur Gitarre und bringt so ihre Gefühle und ihre tiefe Liebe zu Gott und den Mitmenschen zum Ausdruck.


Auf die Frage, was vom Hl. Jahr der Barmherzigkeit nach dem Schließen der Hl. Pforte bleibe, antwortet Schwester Maria, dass die Barmherzigkeit der Menschen weiter wachsen müsse. Aufgabe der Kirche sei es, die Liebe und Barmherzigkeit Gottes in der Welt aufleuchten zu lassen.


Jürgen Weber, der Schulleiter des Marianums, dankte nach lang anhaltendem Applaus der Schülerinnen und Schüler der Jgst. 13 Schwester Maria für ihre Ausführungen. Durch ihre Offenheit, Authentizität und ihre Begeisterung für den Glauben sei der Funke schnell auf die Schülerschaft übergesprungen.

Text: Michael Klüppel



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