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Der »Taliban-Flüsterer« am Marianum
15.09.2012 08:38

Von: Arno Westerhoff


Dr. Reinhard Erös, der »Taliban-Flüsterer« wie ihn die TAZ genannt hat, war am 13.9.2012 in der Aula des Marianums und hat die Oberstufenschüler über seine Arbeit und die Verhältnisse in Afghanistan informiert, das er wie seine Westentasche kennt.


Dr. Erös in der Aula des Marianums

Erös führt seinen »eigenen Krieg in Afghanistan«, einen Krieg gegen die Dummheit mit der Waffe der Bildung.
Packend und engagiert  berichtet der ehemalige Oberstarzt der Bundeswehr von seiner Arbeit in Afghanistan, von den topografischen Eigenheiten dieses Landes und von den Paschtunen, dem zähesten Volk der Welt. »Die geben nie auf«, sagt er.
Gebannt lauschten die 350 anwesenden Oberstufenschüler fast drei Schulstunden seinen Ausführungen. Immer wieder weist er darauf hin, wie wichtig es - auch für die Schüler - sei, die Politik zu verstehen. Deshalb habe er nach seinem Medizinstudium auch Politikwissenschaft studiert. Aber es ist nicht die Sprache des Wissenschaftlers, die die Zuhörer fasziniert.
»Die Taliban wachsen nicht auf Bäumen«, sagt er. »Sie werden dazu gemacht.« Also ist Bildung für Erös der einzige Weg, sie zu bekämpfen, denn die 6-7 Millionen Koranschüler (Taleb) in 10.000 Koranschulen in Pakistan könne man ja nicht alle erschießen.
Der "Steinzeitislam" der Taliban, der in diesen Koranschulen gelehrt wird, gehört der wahabitische Richtung des sunnitischen Islam an und stammt aus Saudi-Arabien, wo er Staatsreligion ist.
»Der eigentlich sehr friedliche und bunte afghanische Islam wird überschattet von der fanatischen Perspektive des Wahabitismus, der seinen Ursprung in Saudi-Arabien hat«, erklärt Erös den Oberstufenschülern. Bildung, vor allem der Mädchen, ist für Erös Waffe gegen diesen Fanatismus. Seine »Kinderhilfe Afghanistan«, die er zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern als Familienunternehmen führt, bietet vor allem Frauen und Mädchen Bildung und medizinische Hilfe. Inzwischen hat er über 25 Schulen im Talibangebiet errichtet und plant eine Frauenuniversität, die wohl nächstes Jahr fertig werden wird. »Die Tinte des Schülers ist mehr wert als das Blut des Märtyrers«, habe bereits Mohammed gesagt.
Auf die Frage eines Schülers, wie das denn klappen könnte, antwortet er. »Für die Taliban bin ich einer von den Guten, aus dem vielleicht eines Tages sogar ein guter Moslem werden könnte«.
Bei seiner Arbeit verzichtet Erös konsequent auf staatliches Geld und militärischen Schutz seiner Einrichtungen. Seine Hilfeprojekte werden ausschließlich mit privaten Spenden finanziert.




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