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Nachrichten aus dem Marianum

Plastik im Duschgel und giftige Nuckel
24.08.2016 10:15

Von: Stefanie Krauss


Plastik – Fluch oder Segen? Diese Frage stellten sich die Schüler einer 6. Klasse des Marianums im Rahmen von drei Projekttagen. Nicht nur BUND-Geschäftsführerin Julia Djabalameli, als Initiatorin des Projektes, fand die recherchierten Fakten alarmierend.


„Ich hätte nie gedacht, dass es so viele verschiedene Arten von Plastik gibt“, bekundet eine Schülerin. Florine (links) und Anna R. haben sich schlau gemacht und herausgefunden, wie die Alternative zu PVC heißt: nämlich Provalin. Dichtungsringe in Konserven sind neuerdings aus diesem Stoff gemacht. Doch Käufer müssen genau hinsehen: Im Handel sind die Dichtungsringe bereits einige Jahre, aber es ist schwer zu erkennen, welcher Hersteller sie verwendet.

Auch die Mädchen und Jungen der 6. Klasse schienen überrascht von der besorgniserregenden Situation. Innerhalb von Kurzvoträgen präsentierten die Schüler die verschiedenen Facetten des Plastik-Problems. „In einer Flasche Shampoo sind drei verschiedene Plastiksorten!“ Anna ist erschrocken über diesen Umstand. „Ich denke, dass Kunden das Produkt nicht kaufen würden, wenn die Hersteller unverblümt draufschreiben, dass nicht nur die Verpackung aus Plastik besteht, sondern auch der flüssige Inhalt mit Plastik durchsetzt ist.“ Die Begriffe klingen wie Formeln aus dem Chemieunterricht und sind für Otto Normalverbraucher ohne Fremdwörterbuch oder neuerdings App nicht zu deuten. Ein Tipp: Die App „ToxFox“ vom BUND hilft beim Entziffern der Inhaltsstoffe.
„Wir wollen junge Menschen dafür sensibilisieren, wie viel Plastik sie umgibt und dass winzige Partikel in fast jedem Lebensmittel oder Produkt auffindbar sind“, erklärt Djabalameli die Zielstellung der Kampagne. Langzeitwirkungen des Müllbergs sind noch nicht klar abschätzbar, doch für Biologie-Lehererin Andrea Sternberg und ihre Klasse 6 ist schon jetzt klar: Plastik ist ein ernst zu nehmendes und hoch aktuelles Problem, und zwar nicht nur für die Länder, deren Strände im angeschwemmten Plastikmüll wortwörtlich ertrinken, sondern auch direkt vor unserer Haustür.
Mikropartikel: Unsichtbar und überall
Müll, wohin das Auge sieht, etwa offensichtlich an Bahndämmen und Autobahnen. „Benutzt etwa ein Storchenpaar Plastikmüll zum Bau seines Nestes, läuft es Gefahr, dass der Nachwuchs bei starkem Regen darin ertrinkt oder erkrankt, weil das Wasser nicht abfließen kann“, erklärt Frau Sternberg. Und dann sind da noch die fast unsichtbaren, aber dennoch all umgebenden Mikropartikel von Plastik in Artikeln, die das kaum vermuten lassen: Honig, Fisch, Gemüse, Kleidung, Duschgel – die Liste könnte beliebig verlängert werden. „Gärsubstrat aus der Biogasanlage etwa darf per Gesetz 0,5 Prozent Plastik beinhalten. Bauern düngen damit ihre Äcker und so gelangen die Teilchen auch in das Getreide, was dort angebaut wird“, weiß Djabalameli. „Dass die Biomasse, aus der Gärsubstrat gewonnen wird, überhaupt Plastik enthält, hängt damit zusammen, dass organische Abfälle aus der braunen Tonne oder von Friedhöfen oft nicht getrennt und entpackt werden: Die schimmligen Tomaten landen samt Verpackung in der Tonne, der Kranz vom Grab wird mit allen Schleifchen auf den Müll geworfen,“ so Djabalameli weiter.
Alternativen sind teuerer
Wirklich sicher davor können Verbraucher nur dann sein, wenn sie Lebensmittel aus eigenem Anbau verzehren. „Die Kartoffeln aus unserem Garten schmecken besser, als die gekauften“, gibt Sofia zu. Ein Leben ohne Plastik zu führen ist in ihren Augen nicht nur ziemlich kompliziert, sondern auch teurer. Sie hat in ihrer Gruppe recherchiert, welche Alternativen es gibt. „Es gibt Zahnbürsten aus Bambus, Tastaturen aus Holz und Fachhändler, die Shampoo und andere Pflegeprodukte garantiert plastikfrei anbieten, aber der Aufwand, diese zu bekommen, ist erheblich größer und geht ins Geld. Durchschnittlich vier Euro mehr kosten die Alternativen. Für mich ist klar, dass ich künftig eher darauf achte, was wirklich drin ist in den Produkten“, zieht Anna die Konsequenz.
„Das schlimmste ist, dass davon kaum jemand weiß“
Florine und Anna gingen der Frage nach, weshalb Plastik ein Problem darstellt. Ihre Argumente sind unschlagbar: „Der Müllberg wächst jedes Jahr, kleinste Teilchen wandern in unseren Nahrungskreislauf und machen Menschen krank, Tiere sterben daran und das schlimmste: Kaum jemand weiß von dieser Gefahr!“, listet Florine auf. Unzählige Produkte, erschreckender Weise auch für Babys, enthalten krebserregende und in den Hormonhaushalt eingreifende Weichmacher (Phthalate), die besonders gut durch Speichel und Säure, zum Beispiel Fruchtsäure in Säften oder Kohlensäure, gelöst werden – für die Winzlinge sind Schnuller, Fläschchen und Quitsche-Entchen also eigentlich giftig. „Man müsste Weichmacher verbieten“, sagt Sophia mit Nachdruck und versteht nicht, dass Fakten mit diesem Ausmaß und Betroffenheit derart unpopulär sind.
Klar, hinter jedem Produkt steht der Profit eines Herstellers. Die Schüler sind sich einig: Künftig wollen sie mehr darauf achten, was gekauft wird und dass der Müll sorgfältig getrennt wird – nicht nur Zuhause, sondern auch an der Schule. Auch von Julia Djabalameli gibt es noch einen Tipp zum Abschluss der Projekttage: „Hechelt nicht jedem Trend der Modebranche hinterher – wenn das Shirt noch passt, dann tragt es solange, wie es geht. Jeder sollte einen Beitrag für eine gesündere Umwelt leisten.“


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