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Nachrichten aus dem Marianum

Neue „Heimat“ DDR
12.03.2018 09:23

Von: Herr Sehn


Am 16.2. fand nach einer kurzen Begrüßung durch Andreas Sehn, Lehrer für Politik und Wirtschaft, im Marianum vor Schülern/innen der Jahrgangsstufen 11 und 12 ein Zeitzeugengespräch mit Thomas Raufeisen statt, der 1979 als 16jähriger Schüler von einem Tag auf den andern aus Hannover in die DDR umziehen musste.


Raufeisen betonte gleich zu Beginn, dass er keinen Monolog halten wolle, sondern gerne auf Schülerfragen eingehen werde. Der Grund für den „Umzug“ in die DDR sei gewesen, dass sein Vater für die DDR spioniert habe und deshalb die Bundesrepublik verlassen musste. In der DDR seien er und seine Familie ständig von der STASI betreut worden, hätten sogar die DDR-Staatsbürgerschaft annehmen müssen. Raufeisens Worten zufolge konnte er die für ihn vorgesehene FDJ-Mitgliedschaft verhindern, sollte aber auf der EOS       ( Erweiterte Oberschule ) Abitur machen. Während des Unterrichts kritische Fragen zu stellen oder Diskussionen zu initiieren, sei kaum möglich gewesen. Auch seien die Mitschüler sehr reserviert gewesen, so dass er nach kurzer Zeit eine Lehre als KFZ-Mechaniker begonnen habe, allerdings nicht in einer Auto-,sondern einer LKW-Werkstatt, verbunden  mit sehr harter körperlicher Arbeit. Wie Raufeisen betonte, waren nicht nur er, sondern auch seine Eltern über das Leben in der DDR recht bald ziemlich frustriert, so dass sie eine gemeinsame Flucht geplant hätten. Nach zwei gescheiterten Fluchtversuchen, die auch der STASI nicht unbemerkt geblieben seien, seien er und seine Eltern zu mehrjährigen Haftstrafen bzw. einer lebenslänglichen beim Vater verurteilt worden. Nach verbüßter Haftstrafe sei er aber nicht wie erhofft in die BRD entlassen worden, sondern ein Ausreiseantrag sei erst nach seiner Haftentlassung erfolgreich gewesen. Sein Vater habe die Haft nicht überlebt.

Raufeisen, der immer wieder Fragen der sehr interessierten Schüler/innen beantwortete, illustrierte seine Ausführungen durch private Fotos und trug auch einige Passagen aus seinem Buch, das er über seine Erlebnisse verfasst hatte, vor.

 

Literaturtipp: Der Tag, an dem uns Vater erzählte, dass er ein DDR-Spion sei (Raufeisen)


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