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Nachrichten aus dem Marianum

Zeitzeugengespräche
12.06.2019 10:30

Von: Ulrich Kleemann


Es ist schon eine über zehnjährige Tradition am Marianum in Fulda, dass einmal im Jahr Gäste aus Polen der Einladung der Schule folgen.


In diesem Jahr waren sechs Senioren im Alter von 80 bis 84 Jahren in der Aula und berichteten als Zeitzeugen aus ihrer Kinder-und Jugendzeit vor den Schülerinnnen und Schülern der zehnten Jahrgangsstufe von den Gräueltaten der Nationalsozialisten in unserem Nachbarland während des Zweiten Weltkrieges.

Zeitzeugengespräche am Marianum sind ein fester Bestandteil des Religions- und Politikunterrichts und somit verwies der stellvertretende Schulleiter und Realschulleiter, Stefan Zeier, auf die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen. Es sei von ungeheuer großer Bedeutung, so der Pädagoge, dass die jungen Menschen die Möglichkeit bekämen, mit Menschen, die als NS-Opfer die Nazi-Herrschaft überlebt hatten in Kontakt zu kommen und in solchen Gesprächsrunden Geschichte authentisch zu erfahren. „Vor Ihnen sitzt die Generation, die die Zukunft Europas mitbestimmen soll und hoffentlich weiterhin für Frieden zwischen den Völkern eintreten wird,“ rief Zeier den polnischen Gästen zu.

Er bedankte sich bei Dr. Christian Scharf, Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der Caritas, der diese Begegnung nun schon seit so vielen Jahren ermöglicht. Scharf konnte allerdings nicht an dem Gespräch teilnehmen.

Des weiteren fand Zeier Dankesworte für die glänzende Übersetzerin Lisa Paduch und für Monika Kluge, die die Gruppe während ihres Aufenthaltes in Deutschland betreuen. Die Senioren sind auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werkes im Bistum Fulda in Fulda und Hünfeld zur Erholung.

Sehr beeindruckend erzählte Maria Adamek aus Stettin als Siebenjährige in ein Unterlager des KZ Stutthof von der Gestapo deportiert wurde. Am meisten erinnerte sie sich an den ständigen Hunger, den sie erleiden musste, gab es doch pro Tag nur zwei Stückchen Brot und Wassersuppe.

Aber auch die Erzählungen von Szmon Krupa beeindruckten die jungen Menschen sehr. Krupa, der auf einem Pferdewagen auf dem Weg ins Konzentrationslager zur Welt kam, musst als dreijähriger mit ansehen, wie sein Vater, ein politischer Häftling, sein eigenes Grab ausheben musste, denn er sollte vor den Augen der Kinder im Lager exekutiert werden. Einem Luftangriff der Alliierten hat er es zu verdanken, dass seine Exekution nicht durchgeführt werden konnte. Somit überlebte der Vater den Krieg.

Bereitwillig beantworteten die polnischen Gäste auch die Fragen der Zehntklässler. So wollte eine Schülerin wissen, ob es auch Lagerwärter gegeben hätte, die Menschlichkeit gezeigt hätten. Maria Adamek verneinte dies. Sogar die kleinsten Kinder wurden von den NS Schärgen misshandelt. Diese Schilderungen hinterließen sichtbare Betroffenheit bei den Schülerinnen und Schülern.

Ein gemeinsames Mittagessen beendete das mitreißende Zeitzeugengespräch.


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