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Information über die Gesellschaft Mariä (Marianisten)

Ordensgeschichte der Marianisten

Am Anfang unserer Ordensgeschichte steht ein geistbewegtes Leben in stürmischer Zeit. Die Wirren und Schrecken der Französischen Revolution hatten die Kirche Frankreichs verwaisen lassen. Priester und Ordensleute wurden gefoltert und vertrieben, viele der älteren Generationen führten verängstigt und verfolgt ein verborgenes Leben und feierten katakombenartig in Kellern oder auf Dachböden die Liturgie. Die jüngere Generation verfiel mehr und mehr dem Unglauben und der Sittenlosigkeit.

 Der Gründer
Wilhelm Josef Chaminade (1761-1850), geboren in Perigueux (Frankreich), hat fast sein  ganzes Leben in Bordeaux verbracht. Er war einer der jungen Priester, die trotz der öffentlichen Ächtung und Verurteilung inmitten der Gläubigen verharrten und unter ständiger Lebensgefahr  ihren Priesterberuf ausübten.
 
Die Französische Revolution erlebte und durchlitt er in ihrer unmenschlichen Brutalität und stemmte sich der aufklärerischen Geisteshaltung heroisch entgegen. Die Herren der Revolution organisierten im Namen der Vernunft den Aufstand gegen die Kirche. Pater Chaminade war von der klaren Einsicht beseelt: Der gesunde Mensch lebt aus der Mitte seines Herzens, in dessen Mitte wiederum Gott sein muß. So versuchte er eine Gegenbewegung in der Kirche ins Leben zu rufen, die in ihrer Glaubenshaltung eine Antwort auf die Irrtümer der Zeit sein konnten, wenn der Glaube verinnerlicht im Herzen verankert ist.

1797 wurde er gezwungen, Frankreich zu verlassen. Er ging nach Spanien, wo er drei Jahre verbrachte. Im spanischen Saragossa erkannte Chaminade in einer begnadeten Erleuchtung, was Gott von ihm erwartete. Während er vor dem Bild Unserer Lieben Frau von der Säule in Gebet verweilte, zeigte Maria ihm seine Berufung.

Die Verwirklichung seines Auftrags
Die Revolution hatte viele Erwachsene der Kirche entfremdet. Deshalb mußte er innerhalb der Marianischen Kongregation wieder beim Nullpunkt beginnen, und zwar bei der Jugend. Jedes Mitglied der Kongregation sollte in seiner Umgebung Apostel sein. So wurde diese Gemeinschaft eine Pflanzstätte für religiöse Berufe; sie stand in voller Blüte.

Daraus sollte nun eine Mannschaft von Dauermitgliedern entstehen oder, wie er sich ausdrückte, “ein Mann, der nicht stirbt”, ein religiöser Orden.

Der 2. Oktober 1817 war dann die Krönung seines Werkes, die Geburtsstunde der Ordensgemeinschaft der Marianisten. Schon ein Jahr vorher hatte er den weiblichen Zweig, die Marientöchter, gegründet. Der Stifter kannte die Denkweise und Bedürfnisse seiner Zeit. Er wollte sich aber nicht schon von Anfang an für eine bestimmte Apostolatsform entscheiden, die sich im Lauf der Zeit als unwirksam erweisen könnte. Einige Prinzipien schälten sich dennoch bald heraus:

- Die Gesellschaft Mariä sollte aus Priestern und in der Überzahl aus Nichtpriestern aller Bildungsschichten bestehen.
- Die Erziehung der Jugend, Exerzitien, Volksmissionen sowie Gründung und Führung der Marianischen Kongregationen sollten Hauptziel ihrer Tätigkeit sein.
- Seine Ordensleute sollten kein eigenes Ordensgewand tragen, um so weder besondere Aufmerksamkeit noch Verdacht in jener schweren Zeit zu erregen.

So konnten sie unauffällig und bescheiden als Sauerteig in der Menge wirken. Auch eine besondere Rangordnung gab es nicht. Priester und Laien arbeiteten gemeinsam und gleichberechtigt an der gleichen Sendung. Alle Funktionen und Aufgaben sollten von jedem übernommen werden können, außer jenen des Generalobern. Er sollte immer ein Priester sein. Pater Chaminades Hauptanliegen bestand darin, den Glauben in Volk wieder zu verankern, “die Zahl der Christen zu vervielfältigen”. Deshalb mußte das Übel der religiösen Gleichgültigkeit möglichst umfassend bekämpft werden.

Die Umstände veranlaßten die Marianisten bald, Schulen zu übernehmen und zu Gründen: in Bordeaux, im Elsaß und anderen Teilen des Landes. Sie entwickelten eine neue Pädagogik, so dass ihre erzieherische Sendung wachsende Bedeutung erlangte und sich schließlich über die ganze Welt erstreckte. Erzieher sollten zu Aposteln erzogen werden. Überall entstanden nun Zentren christlicher Lehrerbildung, Schulen verschiedenster Art, von Grundschulen bis Universitäten. Deshalb wurden und werden die Marianisten oft als Schulorden bezeichnet. Tatsächlich arbeiten auch heute noch die meisten in Schule und Erziehung, aber “Wir gehen dorthin, wohin Gott uns ruft” (Chaminade).

Es gibt daher eine Vielfalt von apostolischen Werken und Arbeiten der Marianisten: Pfarrseelsorge, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Leitung von Akademien, Marianische Kongregationen, Bildungsarbeit auf Diözesanebene, Entwicklungshilfe, Missionen. In vier eigenen Universitäten wird wissenschaftliche Forschung betrieben. Die Universität Dayton (Ohio, USA) besitzt eine der größten marianischen Bibliotheken der Welt, wo die gesamte marianische Literatur gesammelt und geordnet wird. Die Marianisten trachten also danach, das Anliegen des Stifters zu verwirklichen, der oft gesagt hat:
“Wer den Glauben nicht weitergibt, der hat ihn selbst nicht.- Ihr seid alle Missionare- seid es!”

Die Ausbreitung des Ordens
Weltweit: Heute arbeiten die Marianisten bereits in allen Kontinenten der Erde. Die Gebiete sind in 15 Provinzen eingeteilt, die zumeist 100-200 Mitglieder zählen. Die Generalleitung hat ihren Sitz in Rom.

Die gegenwärtige Situation der Kirche ruft uns eindringlich in die Missionen nach Südamerika, Afrika und Asien. In Südamerika leiten die Marianisten über 20 Missionsstationen, auch vor allem Schulen; Japan ist eine eigene Provinz; Korea und Indien sind noch im Aufbau.

Deutschland: Es bildet mit Österreich eine Provinz. In den deutschsprachigen Ländern hatten die Marianisten stets große Schwierigkeiten zu überwinden. Im Elsaß, dem fruchtbarsten Gebiet unserer Gemeinschaft, wurden die Werke einige Male aufgelöst oder stark beeinträchtigt: während der Juli-Revolution 1820; durch die Kulturkampfgesetze Bismarcks 1872. Auch in Deutschland wurden so die ersten Werke Opfer des Kulturkampfes oder später des Nazismus. Ein ähnliches Schicksal erlitten die Werke der Schweiz als Folge des Sonderbundkrieges 1847.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Neuaufbau in Deutschland, Österreich und vielen anderen Ländern. In unserer deutsch-österreichischen Provinz arbeiten die Marianisten nun wieder in allen Schulformen, Erziehungsstätten und auf vielen anderen Gebieten im Dienst der Kirche: Fulda, Kassel, Frankfurt; Wien, Linz, Salzburg, Freistadt, Tragwein und in verschiedenen Pfarreien. In Korea sind wir am Aufbau von Werken und einer eigenen Provinz beteiligt. In Fulda führen die Marianisten eine sechsklassige Realschule mit darauf aufgebauter gymnasialen Oberstufe, die in differenzierter Form in drei Jahren zum Abitur führt.

Im Dienste Marias
Maria ist die Schutzfrau des Ordens und zugleich das Leitbild in der Liebe zu  Jesus Christus. Die marianische Lebensform bezog P. Chaminade aus einer  täglichen Erfahrung: Maria führt zu Jesus. Durch die Mutter findet man den Sohn. Sie hat den Glauben in Herzen, wie in der Hl. Schrift bezeugt ist: “Selig, weil du geglaubt hast.”

Das zentrale Geheimnis Mariens ist die Erwählung zur Mutter Jesu. Er selbst hat sie uns wiederum allen zur Mutter gegeben: „Siehe da, deinen Sohn.- Siehe da, deine Mutter.“ So bemühen wir uns besonders, diese kindliche Liebe zu seiner Mutter fortzusetzen. Sie ist die Mutter der Kirche. Um sie ist die pfingstliche Kirche versammelt. Diese Nähe zu Maria drückt sich im Leben des Marianisten durch ein viertes Gelübde aus, das der Stabilität. Stabilität meint Ausdauer, Treue, Hingabebereitschaft an Jesus nach dem Leitbild Mariens. Wir sind mit Johannes Paul II. überzeugt, daß „die Weihe an Maria die beste Art ist, Gott zu weihen“. In einer technisierten Welt, die dazu neigt, den Sinn für das Menschliche zu verlieren, suchen die Menschen geistliche Anregung, die aus dem Herzen einer Mutter kommt.

In diesem Sinne formt sich neben uns die “Familie Mariens”. Wir bezeichnen damit die umfassende Gemeinschaft aller Mitarbeiter, die sich von unsern Grundsätzen durchdringen und leiten lassen. Sie bilden mit uns eine Gebets- und Aktionsgemeinschaft durch Abgliederung oder durch Einsatz in den verschiedenen Kreisen. Hier lebt der Geist der ersten Kongregation, der Geist P. Chaminades fort. Im Vertrauen auf Maria versucht jeder seinen Apostelauftrag zu erkennen und zu erfüllen.

Organisation
Zur Generaladministration in Rom zählen der Generalobere - immer ein Priester - und seine drei Assistenten - zwei sind immer Laien. Sie werden auf fünf Jahre gewählt.

Die höchste Obrigkeit in der Gesellschaft Mariä ist das Generalkapitel. Es tritt alle fünf Jahre zusammen und besteht zur Hälfte aus Laien und Priestern.

Jede Provinz hat einen Provinzial und einen Vizeprovinzial. Einer von ihnen ist jeweils ein Priester, der andere Laie. Das Provinzkapitel besteht aus der Provinzleitung und sechs gewählten Mitgliedern - drei Priester und drei Laien. Dem Provinzial stehen wenigstens zwei Provinzräte zur Seite, wiederum ein Priester und ein Laie.
 
Jede Ordensgemeinschaft hat einen Direktor als Hausobern, der Priester oder Laie sein kann.
Das Priestertum wird nicht als eine administrative, sondern als eine pastorale Einrichtung betrachtet.

Die Ausbildung
Nach der ersten Kontaktaufnahme lebt ein Kandidat zuerst einige Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen innerhalb einer Kommunität in einem unserer Häuser.
 
Die religiöse Ausbildung vollzieht sich anschließend in der einjährigen Noviziatszeit auf dem Greisinghof bei Linz, dem Bildungshaus unserer Provinz, oder in einem anderen Haus.

Im folgenden Scholastikat findet, je nach Wunsch, Fähigkeit oder Bedarf, die weitere Ausbildung statt. Hier wird neben der fachlichen Ausbildung die religiöse Bildung programmgemäß erweitert. Für die Priesterkandidaten kommt der Besuch der theologischen Fakultät hinzu. Das geschieht in diözesanen Seminaren oder auf unseren eigenen Priesterseminaren in Rom oder Toronto. Bereits ausgebildete Kandidaten können nach dem Noviziat sofort beruflich und apostolisch mitwirken, sei es in der Heimat oder in den Missionen.

Besinnungstage oder –wochen finden auf dem Greisinghof statt. Dort gibt es Möglichkeiten zu stillem Gebet, zur Entscheidungsfindung und zu näherem Kennenlernen.

Heinz Pelster SM

Logo der Marianisten

Unser Logo - Inhalte und Zugänge
Mit dieser neuen Wort-Bild-Marke wollen wir Marianisten “auf einen Blick” zeigen, worin unsere spirituelle Grundhaltung besteht, die uns vom seligen W. J. Chaminade geschenkt wurde.

Die Farbgebung des M ist in einem sehr dezenten und zarten Blau gehalten. Blau steht hier für jene Eigenschaften, die wir in Maria erkennen: Einfachheit, Sympathie, Offenheit, Gastfreundschaft und Herzlichkeit.

Das Orange des Herzens umrahmt das blaue M, erweckt Aufmerksamkeit und führt auf das M hin. Orange und Blau stehen hier in harmonischer Ergänzung. Orange schließt gut ein, vermittelt und verstärkt das Gefühl der Geborgenheit und des Zusammenhaltes.
In der Mitte des Logos treffen sich M und Herz, es entsteht so ein starkes Zentrum, von dem Kraft und Halt ausgeht.

Zum Element “M” (klar strukturiert – Verweis auf Intellekt)
M kann wörtlich stehen für:
Mensch allgemein; für unser Menschsein
Maria als Glaubensvorbild: Sie erwog alles in ihrem Herzen (Lk 2,19.51b)
Mund, der sagt, wovon das Herz voll ist
Marianisten – Menschen, die der Glaube des Herzens trägt und formt

M kann als Symbol gesehen werden für:
Zwei Türflügel, die in eine neue, sakrale, heilige und somit heilende Welt führen
Ein Tor zu den Herzen der Menschen, zum Herzen der Welt, zum Geheimnis des Lebens
Lebendiger Brunnen – das eigene Herz als Ort für lebendiges Wasser (vgl. Joh 7,37)

Zum Element “Herz” (weichere Formen – Verweis auf Intuition, Gemüt)
Der Kreis ist Symbol für die Gemeinschaft; dieser Kreis ist aber offen auf andere hin und verweist auch auf die Mitte.

“Mit dem Herzen glauben” war für P. Chaminade ein zentrales Anliegen - vgl. Röm 10,10: “Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen.”

Jesus ist das innigste Herzens-Anliegen Gottes - vgl. Joh 1,18: “Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.”

Auch ich bin gerufen als Gottes Sohn/Tochter am Herzen Gottes zu ruhen, im Herzen Gottes zu stehen und in ihm Lebens-Raum zu finden.

Das Herz Gottes ist mein letzter, tragender Lebensgrund – meine Existenz wird nicht zu einem “Fass ohne Boden”, sondern sie gründet und sammelt sich im Herzen Gottes.

Das Herz gilt auch als Ort der Beruhigung, des Da-Sein-Dürfens – vgl .1 Joh 3,19-20.

Herz ist Symbol für “Mitte”, Herzmitte, Personmitte – hier bekomme ich Halt, Identität, Verankerung.

Zum Logo als Ganzem
Der untere Teil vermittelt ein klares Getragensein, nach oben hin wird die Gestalt weit und offen. Es lässt sich das Symbol einer Lotosblume erkennen.

Was “blüht” uns als Christen? – Es blüht uns Leben in Fülle, Vollendung, Verherrlichung bei Gott.

Das Herz ist gleichsam dieser Ort, wo Glaubensbildung geschehen kann, es ist der Vertrauensraum, in dem Glaube und Vertrauen wachsen können. Dieser “heilige Raum” ist in mir, in meiner Personmitte. Er wird ebenso wirksam für mich durch jenen Raum, der durch die Gemeinschaft entsteht.

Das Logo soll einen Raum in uns schaffen, wo wir Zusagen zum Leben, zum Menschsein, zum Marianistsein vernehmen können.



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