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Was ist los in Russland?

Text: Dagmar Heil, Fotos: Arno Westerhoff

Die bekannte Journalistin und Autorin Dr. Gabriele Krone-Schmalz sprach am 8. Mai 2008 in der Aula des Marinums zum Thema: „Was ist los in Russland?“, wobei sie, Bezug nehmend auf ihr gleichnamiges Buch, immer wieder auf Diskrepanzen zwischen russischer Realität und westlicher Wahrnehmung bzw. (bewusst oder unbewusst) verfälschter Berichterstattung in Deutschland hinwies.

Als z.B. im Winter in Moskau eine Schwimmhalle bei äußerst ungünstigen Witterungsbedingungen einstürzte, sprach man von Schlamperei und Korruption, jedoch wurde beim Einsturz des modernsten Flughafengebäudes der Welt in Paris neutral berichtet.
Sie erläuterte die unterschiedlichen Denkmechanismen, die in uns ausgelöst werden, wenn in Russland ein starker Staat als etwas Positives angesehen wird: Für Deutsche bedeutet es automatisch weniger Demokratie, für Russen beinhaltet der Begriff einen funktionierenden Staat, der dafür sorgt, dass Gesetze auch durchgesetzt werden – und dies ist vor dem Hintergrund der dramatischen Umwälzungen zu sehen, denen Russland in den letzten 20 Jahren ausgesetzt war, in denen der Staat eben nicht immer in der Lage war, für Ordnung zu sorgen.

Dr. Krone-Schmalz nahm Stellung zu Pressefreiheit, Raketenabwehrschild und Mafia, erläuterte die Rolle von Gasprom auf Politik und Wirtschaft und die politischen Verflechtungen beim Bau der Ostseepipeline, ging auf den Machtwechsel im Kreml ein.
In einer Stunde ergab sich so ein ziemlich umfassendes Bild von der russischen Wirklichkeit heute.

Warum ist uns Russland dennoch so fremd?
Weil Journalisten nur über Katastrophen und Extreme zu berichten pflegen. Sie müssen „Quoten bringen“. Alltagsgeschichten über die langweilige Mittelschicht interessieren den Sensationen gewöhnten Leser oder Zuschauer nicht, doch eben diese spiegelt die Wirklichkeit wider.



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